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Theatrikos

Freies Theater

Der Yeti ist näher, als man denkt
Diesen ernsten Zeitgeist trifft das am Mittwoch im Projekttheater uraufgeführte komische Drama „Der Yeti“ in der Regie von Andreas Hüttner. Autor Carl Ceiss kehrt Engels‘ These vom „Anteil der Arbeit an der Affewerdung des Menschen“ um: Krause, der (Anti-) Held, wird zum Tier durch die Arbeitslosigkeit. In vielen, vielleicht etwas zu vielen Szenen, wird Krauses (Utz Pannike) Abstieg stationsweise erzählt. Auf dem Streikposten noch ist er es, der am längsten an humane Werte glaubt. Wie er die Arme seitwärts reckt, um allein ein Transparent auszurollen, scheint er ein Jesus zu sein, der alle vergeblichen Hoffnungen auf sich genommen hat. Eines von mehreren Bildern subtiler Kraft, die die fünf Darsteller der Gruppe Theatrikos fast durchweg überzeugend umsetzen. Es folgen Rausschmiss durch die Frau, Obdachlosigkeit, Schwarzarbeit, Ämterkrieg, Kleinkriminalität, mal ernst mal heiter. Es geht nicht ganz ohne Sozialromantik zu, zugleich sind die netten Penner Rollo (Frank Weiland) und Röhre (Regina Felber) komödiantische Glanzlichter, in deren Schatten das Drama um Krause erträglich erscheint.

Echte Erzählstärke entwickelt „Der Yeti“ tatsächlich mit Krauses Affewerdung. Es ist ein Job als Bär im Varieté, der ihn in ein Fell steckt. Es ist die Zeitung, die ihn zum Yeti stilisiert. Er ist es selbst, der so einen Ausweg aus der Ausweglosigkeit sieht: Er spielt das wilde Tier, hat als Verrückter wieder ein Dach über dem Kopf, und findet so etwas wie eine brüchige Identität, als Yeti.
Fazit: Bittere Sozialrealität ansprechend künstlerisch überhöht - sehr löblich.

Sächsische Zeitung, 8.12.2006
Kristin Anacker

Der Yeti ist unter uns
Der soziale Abstieg Krauses illustriert auf aberwitzige Weise, wie ein Mann aus der Gesellschaft heraus fällt und sich selbst zunehmend als menschliches Wesen aufgibt.

Regisseur Andreas Hüttner betont in seiner Inszenierung vor allem die Tragikomik des Stücks. So zum Beispiel in der Szene, in der Krause zum Sozialamt geht und in geradezu rührender Naivität jede Art von Formalität verweigert und nur auf seine Bedürftigkeit pocht. Oder wenn er verwildert im Stadtpark sitzt und in der Zeitung von seiner Vergewaltigung der Exfreundin Paula (Henriette Ehrlich) liest und die Tat gar nicht mehr in Bezug zu sich setzen kann. Der bedrückende, rapide Abstieg Krauses wird immer wieder durch Umbauten unterbrochen. Zu fröhlichen Volksmusikklängen räumen die Schauspieler im Halbdunkel die raren Requisiten (Bühne: Torsten Ulrich) um. Hier ist jeder Schritt mitinszeniert, und der Kontrast könnte kaum größer und wirkungsvoller sein. Die Schauspieler treffen präzise die dargestellten Typen .

Nathalia Münnich
Dresdner Neueste Nachrichten, 11. 12 2006

Schweres Thema, leicht verpackt
Die Episodengeschichte spielt die Dresdner Theatergruppe "Theatrikos" (die schon mit "Seid nett zu Mr. Sloane" zu sehen war) unter der Regie von Andreas Hüttner im Dresdner Projekttheater. Ein minimalistisches Bühnenbild (Torsten Ulrich) ohne jeglichen Schnickschnack, sondern nur mit ein paar vielseitig eingesetzten Blöcken lenkt die Konzentration erfrischenderweise nicht vom Inhalt des Stückes ab. Auch die Rollen der insgesamt fünf Schauspieler, die alle bis auf Pannike mehrere Rollen übernehmen, sind gut ausgesucht und umgesetzt. Nicht übertrieben, aber dennoch mit dem einen oder anderen sozialkritischen Hintergrund, kommt das Stück trotz seines schweren Themas angenehm leicht daher - und bringt gerade deshalb die Zuschauer zum Nachsinnen. Eine Inszenierung, von der sich so manches große Dresdner Theater eine Scheibe abschneiden könnte!
Studentenzeitung "ad rem.", 31. 1. 2007
Kristin Kulow

 

 

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